closeDie­ser Arti­kel wurde vor 2 Jah­ren 4 Mona­ten 11 Tagen ver­öf­fent­licht. Die Infor­ma­tio­nen in die­sem Arti­kel sind mög­li­cher­weise ver­al­tet. Bitte benut­zen Sie die Suche oder das Archiv, um nach neue­ren Infor­ma­tio­nen zu die­sem Thema zu suchen.

So heißt es in Arti­kel 5 Absatz 1 des Grund­ge­set­zes (GG) der Bun­des­re­pu­blik Deutschland:

Jeder hat das Recht, seine Mei­nung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern uns zu ver­brei­ten und sich aus all­ge­mein zugäng­li­chen Quel­len unge­hin­dert zu unter­rich­ten. Die Pres­se­frei­heit und die Frei­heit der Beri­cher­stat­tung durch Rund­funk und Film wer­den gewähr­leis­tet. Eine Zen­sur fin­det nicht statt.

Nun soll nach dem Zugangs­er­schwer­nis­ge­setz, wel­ches dem obi­gen GG-Artikel schon vom Namen her wider­spricht, DNS–Ser­ver mani­pu­liert wer­den, dass diese bei Auf­ruf bestimm­ter Sei­ten auf ein Stopp­schild umlei­ten. Die­ses Gesetz befin­det sich im Moment im soge­nann­ten Noti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren [1] bei der EU, und muss danach noch von Bun­des­prä­si­dent Horst Köh­ler unter­schrie­ben wer­den. Diese Unter­schrift gilt trotz aller Beschwer­den, der am stärks­ten gezeich­ne­ten Peti­tion über­haupt (134.015 Mit­zei­cher [2]) und ver­fas­sungs­recht­li­cher Beden­ken als sicher.

Das Gesetz ist also noch gar nicht in Kraft, aber schon heute han­deln Kommunikations-Unternehmen danach:
ZDNet berich­tet nun [3], dass Vod­a­fone als ers­ter Anbie­ter über­haupt alle DNS–Anfra­gen auf die eige­nen DNS–Ser­ver umbiegt. Dazu braucht der Anbie­ter nur allen Traf­fic über den Port 53 TCP / UDP abfan­gen. Im Moment soll die Mani­pu­la­tion nur im UMTS-Netz aktiv sein, aber es sollte klar sein, dass Vod­a­fone das auch auf das von Arcor über­nom­mene Fest­netz aus­wei­tet. Zudem dürf­ten andere Anbie­ter das zunächst mal genau beob­ach­ten, und dann auch auf die­sen Zug auf­sprin­gen.

Noch merkt der gemeine Internet-User nichts davon, da die DNS–Ser­ver noch nicht zen­siert sind. Das dürfte sich aber nach Inkraft­tre­ten des Zugangs­er­schwer­nis­ge­set­zes schlag­ar­tig ändern. Dann näm­lich wird es für bestimmte Sei­ten gefälschte DNS–Ant­wor­ten geben.

ZDNet: „Die­ser Ein­griff in das Fern­mel­de­ge­heim­nis ist durch kein Gesetz gedeckt. Über DNS auf den TCP– und UDP-Ports 53 wer­den heut­zu­tage weit mehr Dienste abge­wi­ckelt als die bloße Namens­auf­lö­sung, bei­spiels­weise der Zonen­trans­fer von Black­lis­ten zur Spam­be­kämp­fung oder pri­va­ten Intranet-Domains. Eine zen­sierte DNS–Ant­wort mit gefälsch­tem Absen­der sei­tens des Pro­vi­ders unter­bin­det eine ganze Reihe legi­ti­mer DNS–Nut­zun­gen, die mit der Bekämp­fung von Kin­der­por­no­gra­fie nichts zu tun haben.”

Und was nun, wenn ein Internet-Anwender zufäl­lig auf eine gesperrte Seite kommt? Etwa, weil er einen Link in einer Mail oder auf einer ande­ren Web­seite ange­klickt hat? Der ursprüng­li­che Vor­satz, die in den Log­files gespei­cher­ten IP–Adres­sen aus­zu­wer­ten, und deren Inha­ber vor den Kadi zu zer­ren, ist zwar letzt­lich nicht im Gesetz. Es ist sogar ver­bo­ten, die Log­files straf­recht­lich zu nut­zen. Aber wer oder was will denn die Regie­rung oder das BKA oder sonst eine Poli­zei­be­hörde davon abhal­ten, die Log­files aus­zu­wer­ten? Und was dann mit den Aus­wer­tun­gen pas­siert, kann auch kei­ner nachvollziehen.

Und wie kann man das jetzt umge­hen? Es wird ja immer gesagt: „Rich­tet euch alter­na­tive DNS–Ser­ver in der Netz­werk­kon­fi­gu­ra­tion ein, damit ihr nicht die gefälsch­ten DNS–Ant­wor­ten eurer ISPs bekommt.” Klar, ist die ein­fachste Lösung. Man kon­fi­gu­riert die Netz­werk­karte manu­ell, und gibt als bevor­zug­ten DNS–Ser­ver einen Ser­ver bei­spiels­weise in Eng­land an. Aber genau das hebelt Vod­a­fone mit dem Umbie­gen von Port-53-Anfragen ja aus!

ZDNet beschreibt in o.g. Arti­kel, wie man auf sei­nem PC einen eige­nen DNS–Ser­ver ein­rich­tet. Bind ist das Mit­tel der Wahl für alle Unix-, Linux– und Mac-Nutzer, da der Bind-Server bei nahezu jeder Dis­tri­bu­tion mit­ge­lie­fert wird. Aber Bind gibt es auch für Win­dows, und ZDNet beschreibt die Konfiguration.

[1] http://ec.europa.eu/enterprise/tris/pisa/app…F72E00E5DF8
[2] https://epetitionen.bundestag.de/index.ph…tion=3860
[3] http://www.zdnet.de/sicherheit_in_…de_story-39001543–41502966-1.htm