„INDECT ist das Akronym des EU-Projektes Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment (Engl.; Dt.: Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung)” sagt Wikipedia.
Mehr automatisierte Überwachung geht kaum, George Orwells „1984” wurde hier wohl als Anleitung missverstanden…
Ziel des INDECT-Projekts ist die Bündelung von Hard– und Software verschiedener Überwachungstechnologien. Mittels „Predictive Analytics” und „Relationship mining” sollen Risiken analysiert und Straftaten vorhergesehen werden. Dazu setzt man einerseits auf die Überwachung des Internets mit Hilfe von Suchmaschinen zum schnellen Auffinden von Bildern und Videos mithilfe von digitalen Wasserzeichen sowie automatisierte Suchroutinen zur Aufspürung von beispielsweise Gewalt oder „abnormalem Verhalten“ sowohl im World Wide Web als auch im Usenet und in P2P–Netzwerken. Dabei wird auch versucht, die Computerlinguistik dahingehend weiterzuentwickeln, dass die Suchroutinen in der Lage sind, Beziehungen zwischen Personen sowie den Kontext einer Unterhaltung, z.B. in Chats, bei der Interpretation der Sprache mit einzubeziehen.
[aus Wipipedia]
Der Regisseur Tim Weskamp hat im Rahmen von „Düsseldorf ist Artig” den Kurzfilm „Panopticon” gedreht, der INDECT schön veranschaulicht:
Panopticon from Tim Weskamp on Vimeo.
Mehr zu INDECT unter dem Twiter-Hashtag #indect.
[gefunden beim Andi]
Der große Lauschangriff, Bundes– oder Staatstrojaner, Vorratsdatenspeicherung, Anti-Terror-Gesetze, Zugangserschwernisgesetz… All das durften wir in den letzten Jahren ertragen…
Aber wofür das Ganze? Das Bundesamt für Justiz hat Zahlen veröffentlicht, in welchen man ganz deutlich sieht: Im Jahr 2009 liegen Terrorismus und Kinderpornografie ganz hinten auf der Überwachungsskala. Viel wichtiger scheint hier der Kampf gegen Drogen. Der Journalist Richard Gutjahr hat daraus folgende Infografik erstellt:
Hier gibt es auch die Zahlen aus 2010 als PDF.
[via G! — gutjahr’s blog]
Wie heute auf Spiegel online [1] zu lesen ist, wird der Modekonzern Gerry Weber ab dem kommenden Jahr RFID-Chips in die Pflege-Etiketten seiner Kleidungsstücke einnähen. Diese sollen im Laden an der Kasse automatisch und ohne von einem Kassierer oder einer Kassiererin angefasst zu werden ihren Preis übermitteln. Da dies über eine individuelle Nummer geschehen soll, kann auch an der Ladentür sofort Alarm ausgelöst werden, wenn das Kleidungsstück nicht bezahlt und aus dem Bestand ausgetragen wurde.
Datenschützer laufen gegen diese Pläne bereits Sturm, auch wenn laut Gerry Weber keine persönlichen Merkmale auf den Chips gespeichert werden sollen. Denn prinzipiell ist es möglich, Bewegungs– und Einkaufsprofile anzulegen, da ja nicht nur das zu erwerbende Stück zur Kasse funkt, sondern der eben getragene Pulli auch, sollte er bereits mit einem solchen RFID-Chip ausgestattet sein. Das gilt erst recht dann, wenn man EC-, Kredit– oder Kundenkarten nutzt, da sich da Daten so personalisieren lassen.
Ich meine, da hilft es nur, die Etiketten aus der Kleidung herauszutrennen und zu entsorgen, damit die Müllabfuhr sich des Chips annimmt.
Besser jedoch, der Hersteller nimmt von dieser hirnrissigen Idee Abstand, denn das Missbrauchspotential ist nicht eben gering. Damit reche ich aber nicht wirklich, da es in einigen Filialen scheinbar schon Tests gegeben hat. Betroffen sind alle Marken der Gerry-Weber-Gruppe.
Ich weiß auch nicht, in wie weit man Lesegeräte für daheim bekommt, um überhaupt mal festzustellen, welche Daten auf den Chips gespeichert sind.
Der Redmonder Software-Riese schränkt nun die Nutzung von käuflich erworbenen Spielekonsolen ein.
Mircosoft verwehrt etlichen Xbox-Konsolen den Zugang zu Xbox-Live. Das soll Boxen betreffen, die durch eine Modifikation auch schwarz gebrannte Spiele verarbeiten können. So meldeten es gestern u.A. Golem.de [1] und heise online [2].
Drei Dinge stoßen mit dabei sauer auf:
Es würde mich nicht wundern, wenn diese Geschäftspraxis mal wieder vor den Gerichten landen würde. Denn nur, weil jemand seine Box modifiziert bzw. modifizieren lässt, muss er noch längst keine schwarz gebrannten und somit aller Wahrscheinlichkeit nach geklauten Spiele einlegen.
Klar, jetzt kann man kontern: „Worum sollte der die Modifikation sonst machen?” Aber da gebe ich die Antwort: „Weil er’s kann!”
Zudem hat Microsoft nicht auf meinem Eigentum herumzuschnüffeln, da sehe ich erhebliche, datenschutzrechtliche Bedenken. Wenn die Regierung den Bundestrojaner eingeschränkt bekommt, darf ein privates Unternehmen sich solcher Praktiken erst recht nicht bedienen.
Der nächste Schritt zum gläsernen Bürger, in diesem Falle gläsernen Patienten, wird heute eingeleitet: Die elektronische Gesundheitskarte (eGK).
Es hat zwar unbestritten Vorteile, wenn ein behandelnder Arzt im Zweifel Informationen zu Vorerkrankungen oder Medikamentenunverträglichkeiten zur Verfügung hat, insgesamt jedoch sollte man sich aber mal Gedanken über den Datenschutz machen. Wer hat wann Zugriff auf die gespeicherten Daten? Speichern die Ärzte die Daten auch noch mal lokal? Das würde das Missbrauchsrisiko der Daten weiter erhöhen. Wie sind die Daten auf der Karte geschützt? Kann man die mit einem handelsüblichen Chipkartenleser und ein paar kleinen Kniffen auslesen? Ein paar kleine Kniffe, um die Verschlüsselung zu knacken… Denn verschlüsselt werden die Daten ja wohl sein…
Der nächste Punkt ist: Die Gesundheitskarte ist kein Ausweisdokument, warum also soll da ein Lichtbild drauf? Welche rechtliche Handhabe bekommen die Kassen, wenn sich jemand weigert, ein Foto abzugeben? Denn noch kann keine Krankenkasse ein Foto von einem Versicherten einfordern, allenfalls darum bitten.
Zunächst soll die eGK im Bezirk Nordrhein starten, bis Ende 2010 aber bundesweit im Einsatz sein. Somit trägt in gut einem Jahr fast jeder ständig seine Krankenakte mit sich herum. Was ist nun, wenn Arbeitgeber z.B. bei häufig arbeitsunfähigen Mitarbeitern mal einen Blick in diese Akte werfen? In Betrieben, in welchen sich die Mitarbeiter umziehen, ist es sicher auch ohne das Wissen des Mitarbeiters möglich. Zugegeben, ein krasses Beispiel, aber hatten wir nicht in den letzten Monaten genügend Beispiele für den Kontroll– und Überwachungswahn Deutscher Konzerne?
Update: Auszug aus den FAQ der Krankenkasse des Autors:
Datenschutz – wer hat Zugriff auf meine Daten?
Zum Einlesen einiger administrativer Daten wie etwa Name und Adresse sind keine zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Der Zugriff auf sensible Daten (z. B. Zuzahlungsstatus) ist jedoch durch ein strenges Sicherheitssystem (Zwei-Schlüssel-Prinzip) geschützt. Dieses gewährleistet, dass ohne Einwilligung des Versicherten niemand auf die medizinischen Daten seiner Gesundheitskarte zugreifen kann.Seine Einwilligung für den Datenzugriff auf die freiwilligen Anwendungen gibt der Versicherte mit der Gesundheitskarte und einer Geheimnummer (PIN). Ärzte, Zahnärzte und Apotheker müssen sich ebenfalls gegenüber dem System identifizieren: mit ihrem elektronischen Heilberufsausweis (HBA). Er enthält ihre elektronische Unterschrift (Signatur) und ist damit der zweite zentrale Bestandteil des Sicherheitskonzepts. Erst wenn die Gesundheitskarte des Versicherten und der HBA des Arztes oder Apothekers in das Kartenlesegerät eingegeben werden, kann der Versicherte durch Eingabe der PIN Einsicht in seine Gesundheitsdaten geben.
Wie bin ich gegen Datenmissbrauch geschützt?
Zusätzlich zu den hohen datenschutzrechtlichen Anforderungen, denen die neue Gesundheitskarte unterliegt, werden die Zugriffe protokolliert. Jeweils die letzten 50 Zugriffe auf die Daten des Versicherten werden gespeichert. Damit ist auch jeder (unwahrscheinliche) Missbrauch dokumentiert und kann strafrechtlich verfolgt werden. Für die Karte gelten modernste Verschlüsselungstechniken. Sie verhindern, dass Unberechtigte in die sensiblen Gesundheitsinformationen eindringen. Die Daten des Versicherten werden des Weiteren durch das Zwei-Schlüssel-Prinzip und die Geheimnummer (PIN) des Versicherten gut geschützt.
Liest sich ja erst mal nicht schlecht, aber ist bisher nicht jedes Sicherheitssystem irgendwie überwunden worden?